Spezielle Mutter & Kind-Kur-Maßnahme half zwei Müttern, die Folgen der Krebserkrankung zu bewältigen
Es ist, als fahre man mit 180 Sachen an die Wand - oder fällt in ein tiefes Loch. Das fühlten Karin Scheufens (44) aus Paderborn und Ramona Steinberg (40) aus Herne, als sie mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurden. Ramona Steinberg musste die rechte Brust amputiert werden, Karin Scheufens wurde neben Brustkrebs eine befallene Niere entfernt. Die Krankheit veränderte das Leben der beiden Mütter völlig. Und das ihrer Familien. Denn der Krebs drohte in der schweren Zeit der Therapie auch das Zusammenleben mit ihren Partnern und Kindern zu zerfressen. Aber sie konnten die Krise überwinden - mit Hilfe einer speziellen Mutter & Kind-Kur-Maßnahme.
Unmittelbar nach der Akutphase des Brustkrebs, das heißt innerhalb von sechs Wochen bis zu einem halben Jahr nach Abschluss der Ersttherapien, waren die beiden Mütter Patienten der Rehabilitationsmaßnahme "gemeinsam gesund werden" in der Mutter/Vater & Kind Klinik Ostseedeich in Grömitz.
Zur Stabilisierung dieses ersten Erfolges konnten die Mütter an einer Mutter & Kind-Kur teilnehmen, die das Ziel verfolgt, nach einem längerem Zeitraum der überstandenen Akutphase, die gewonnenen Erkenntnisse des Miteinanders in der Familie zu festigen und im Rahmen der Schwerpunktkur „Zusammen stark werden“ einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der familiären Situation zu gehen.
Diese rein psychosozial orientierte Maßnahme ist speziell auf die Nachsorge krebskranker Mütter und deren Kinder ausgerichtet. Sie wurde von der Arbeitsgemeinschaft Eltern & Kind-Kliniken entwickelt, wird von der renommierten Rexrodt von Fircks Stiftung begleitet und vom Mutter-Kind-Hilfswerk e.V. empfohlen. Sie wird in den Mutter/Vater & Kind-Kliniken Maximilian in Scheidegg im Allgäu sowie in der Klinik Nordseedeich an der Nordsee angeboten und trägt entscheidend dazu bei, krebskranke Mütter und deren betroffene Familien nachhaltig zu stärken.
Die ständige Angst verursachte tiefe Wunden in den Familien
Denn den Krebs zu besiegen war für beide Frauen die eine Seite. Die Wunden, die er in den Familien - besonders in den Seelen ihrer Kinder - verursacht hat, die andere. „Die ständige Angst war es”, schildern Ramona Steinberg und Karin Scheufens „die das Familienleben durcheinanderwirbelte.” Und die Tatsache, dass sich ab dem Zeitpunkt der Krebsdiagnose und Therapie das Familienleben überwiegend um die Krankheit drehte - sofern überhaupt eines stattfinden konnte. Denn „normal” war nichts mehr, Mutter „funktionierte” nicht mehr so wie früher. „Der Krebs forderte von uns, sämtliche Lebensanschauungen neu zu überdenken”, sagt Ramona Steinberg. „Die eigenen Prioritäten verschieben sich, ich lernte, auch mal nein zu sagen und mehr an mich zu denken.” Das stellte Kind und Partner vor Herausforderungen, die sie bis dahin nicht kannten. Und das sorgte für zusätzlichen Stress im Alltag.
Spezielle Therapie stärkt Mutter-Kind-Beziehung
„Mir war es bei dieser Maßnahme wichtig, meinem Sohn zu zeigen, dass es immer mal schwere Zeiten geben kann, es aber Möglichkeiten der Hilfe gibt”, sagt Ramona Steinberg. Titus ist vier Jahre alt - er war zwei, als seine Mutter an Krebs erkrankte und sie in dieser Zeit gefühlt zu weit weg von ihm war. Während der Maßnahme im Allgäu hat er es sichtlich genossen, ganz viel Zeit mit seiner Mutter verbringen zu können. Und Titus lernte, dass er nicht allein mit seinen Sorgen und Problemen ist, dass es andere Mütter und Kinder gibt, die ähnliches erlebt haben und dennoch wieder lachen können. „Kindern kann man eben nichts vor machen - auch wenn sie noch so klein sind”, sagt seine Mutter.
Die Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung, auch nach einer länger überstandenen Krebserkrankung mittels ausgewählter physischer und psychischer Therapie- und Trainingskonzepte - gerade eben auch für die Kinder im Rahmen des Betreuungsprogrammes - ist das Ziel der Schwerpunktkur in Scheidegg. Und dass dies funktioniert, hat auch Karin Scheufens erfahren. Sie war mit Sohn Mika (9) und Tochter Luisa (15) in der Klinik Maximilian. „Sie haben seit meiner Krebserkrankung im Jahr 2008 viel durchgemacht”, schildert Karin Scheufens. Vor allem Luisa, die gerade in der Pubertät steckt und voll involviert war. Während der Kur sind Mutter und Tochter wieder zusammengewachsen. „Aber was mich noch mehr freut: Bruder und Schwester verstehen sich seitdem wie nie zuvor! Der respektvolle Umgang miteinander ist ein Ergebnis der Kur”, sagt Karin Scheufens.
Standortbestimmung in den Bergen für ein Leben mit Krebs
Und die beiden krebskranken Frauen? Ihnen diente die Schwerpunktkur mit ihrer Mischung aus fordernden Elementen wie Gesprächsgruppen und Sporttherapie zur Stärkung des Allgemeinbefindens, um in Alltagssituationen nun gelassener reagieren zu können. Sie verbrachten viel Zeit mit ihren Kindern, nahmen am Gehirn-Training Life Kinetik teil und genossen Entspannungsübungen und Klangschalenmassage, „und es war einfach nur toll, in der Morgensonne vor dem Alpen-Panorama zu walken”, sagen beide.
Den Kopf frei bekommen, Neuorientierung, Standortbestimmung, Reflexion über das Leben nach und mit dem Krebs - das waren Karin Scheufens und Ramona Steinbergs Ziele vor dem Kurantritt. Kraft schöpfen in den Bergen war am Ende für beide das nachhaltig positivste Ergebnis der Mutter & Kind-Kur. „Ich fühle mich deutlich gestärkt und entspannt. Ich habe erkannt, dass ich in den zwei Jahren seit meiner Erkrankung eine Menge erreichen konnte, fit geworden bin, meine Arbeit wieder aufgenommen habe und nicht wieder im alten Fahrwasser gelandet bin”, resümiert Ramona Steinberg.
Nach der Kur: Vertrauen in die eigene Zukunft
Die beiden Frauen werden den Kampf gegen den Krebs weiter antreten. "Zusammen stark werden" hat sie dazu motiviert. Sie sehen ihrer Zukunft jetzt positiv entgegen: „Ich habe wieder großen Vertrauen darin, dass ich Titus aufwachsen sehen werde und mitbekomme, welche Partnerin er sich später sucht, was er für eine Ausbildung absolvieren möchte. Ich tue dafür aber auch eine Menge. Ich mache Sport, besuche ein Selbsthilfefrühstück, fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit und versuche meine Gedanken in positive Richtungen zu beeinflussen”, sagt Ramona Steinberg.
Karin Scheufens ist nach der Mutter & Kind-Kur entspannt und gelassen: „Ich hoffe, dass dieser Zustand noch lange anhält. Und ich will meine guten Vorsätze weiterhin in die Tat umsetzen. Ich habe heute schon einen guten Anfang gemacht: Ich bin im Regen gewalkt! Da hätte ich vor der Kur noch 1000 Ausreden gefunden, das nicht zu tun…”
Auskunft zur Schwerpunktkur "Zusammen stark werden" erteilt das Mutter-Kind-Hilfswerk e.V. am kostenlosen Info-Telefon: 0800 2255100. Infos und Antragsformulare zum Download:
www.mutter-kind-hilfswerk.de

Ramona Steinberg (l.) mit Sohn Titus und Karin Scheufens mit Tochter Luisa und Sohn Mika sehen wieder positiv in die Zukunft.
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Quelle: Mutter-Kind-Hilfswerk e.V.